Kunstmaler Radu im Porträt

Die Realität und der Blick ins unverstellte All

Eine Einführung in die Welt des Kunstmalers Radu

Skelettartige Stelen, Treppen ins Nichts, zerklüftetes Gestein, bedrohlich aufragende kristalline Mauern, biomorphe Wesen, Knotenpunkte im interstellaren Raum und über allem das mystische Licht eines blutroten Sonnenballs – wir befinden uns in der Welt des Künstlers RADU, der sich durch seine tiefsitzende Realismus-Allergie in seinen Bildern eine eigene Realität schafft. Diese Aversion wurzelt in seiner Herkunft als Rumänien-Deutscher, wo er gegen die von den Machthabern diktierte Wirklichkeit seine eigene entwickelte. Radu lebt seit 1967 in München, doch sein „Realismus-Trauma“ schlägt sich bis heute in seinen Landschaften nieder.

Handwerklich hat der in Klausenburg/ Rumänien geborene Radu eine solide künstlerische Ausbildung an der dortigen Kunstakademie erhalten. Nach erfolgreichem Abschluss mit Diplom, war er Assistent an der Akademie der Schönen Künste "Ion Andreescu" und arbeitete auch einige Jahre periodisch im Atelier von Professor Corneliu Baba in Bukarest. Ein Stipendiat der „Academia Pietro Vanucci“ 1964 in Perugia/ltalien gestattete ihm, einen unmittelbaren Dialog mit der freien Europäischen Kunst aufzunehmen. Sicher hat dieser Aufenthalt seinen Wunsch nach München zu übersiedeln beflügelt.

Eine Aura „beruflicher Strenge” hüllte damals und auch heute noch die Kunstakademie der Hauptstadt Transilvaniens ein. Ethisch-ästhetisch aber, kam der Rumänien-Deutsche ziemlich schnell mit den sozialistisch-realistischen Richtlinien der Akademie in Konflikt. Eine noch nicht verarbeitete, tiefsitzende Aversion gegen die von den Machthabern diktierten Realitätsdarstellungen, entwickelte sich bei Radu.

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Dieses Trauma schlägt sich bis heute nieder, meist durch bewusste Distanz von „menschlichen Elementen“. Die Beziehung des Künstlers zu den unterschiedlichsten Darstellungen mit Menschen ist höchst zwiespältig.

Die Landschaften von Radu‚ ob Architektur respektive Ruineninterpretationen, ob Wüste oder alpine Strukturen, sind nicht nur menschenleer, nein auch in ihrer Kargheit und „Chlorophyllarmut“ gar menschenfeindlich. Eine bizarre Fremdartigkeit, ein diskreter Hauch von nicht irdischem, außerplanetarischem, schwebt überall durch zerklüftete Felsen, erodierten Lavamassen, über vom Zahn der Zeit in Mitleidenschaft genommene, nicht unbedingt von menschlicher Hand errichteten Konstruktionen dahin.

Ein Virtuose der Mischtechnik und verschachtelten Ebenen

Erstaunlich ist bei Radu das technische Niveau, die Virtuosität, die nahezu perfekte Beherrschung der zur Verfügung stehenden Mittel. Es gibt bei ihm so gut wie keine reine Ölmalerei, reines Aquarell, reine Acryl oder Temperamalerei, sondern vielmehr eine nüchterne Mischung aus allen Richtungen.

Selten werden Pinsel verwendet, eher Messer, Schaber, Rasierklingen, Nadeln, Fräsen, Schablonen, Schleifpapier, Gummirollen und ähnliche Werkzeuge. Nicht zu vergessen ist der Luftpinsel. Druck, Abdruck, Frottage und Accrochage vervollständigen diese umfangreichen Malmittel und „Handwerkszeuge“.

Die bis zu acht übereinanderliegenden Schichten von Farben, Isolierlack und Firnis bezeichnet Radu als Mischtechnik.
Oberflächlich betrachtet könnte man Radu den lyrischen Surrealisten zuordnen oder einige Elemente aus dem Füllhorn von Max Ernst oder Paul Klee ausmachen, aber wenn überhaupt, dann beschränkt sich Radu beim Griff in die Kollegenschatulle eher auf Erkenntnisse, als auf die Übernahme von Methoden oder Lösungen.

Es ist schwer, Radu in die europäische Kunstszene einzuordnen. Er gibt in seinen Bildern den Blick frei in himmelweite Fernen, ins unverstellte All.

Bildergalerie


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Radu baut kulturelle Brücken

Parallel zu seiner Präsenz auf der europäischen Kunstszene ist Radu im bayerischen Kulturleben stark involviert. Er errichtet ein solides kulturbezogenes „Brückensystem“ zwischen Deutschland und Rumänien mit Schwerpunkt auf Bayern und Siebenbürgen.

In der Galerie Raduart (www.raduart.de), gegründet im Jahre 2010 in Fürstenfeldbruck, finden unter seiner Aufsicht Einzel-und Gruppenausstellungen statt, in denen der Künstler sich für die Intensivierung und Vertiefung der kulturellen Beziehungen und Entdeckung diverser Berührungspunkte, zwischen den Landsmannschaften der Siebenbürger Sachsen, der Schwaben, der Ungarn und, selbstverständlich, der Rumänen aus Transsylvanien (Siebenbürgen) einsetzt; so entstand das umfangreiche Projekt „Künstler aus Siebenbürgen“ bekannt auch durch mehrere erfolgreiche Gruppenausstellungen, die ein entsprechendes Profil vorweisen.

Ehrengabe des Kulturpreises BdV Bayern 2016

Radu erhielt die Ehrengabe des Kulturpreises 2016 vom Bund der Vertriebenen Bayern für herausragende Leistungen im Bereich der Pflege und des Erhaltes des Kulturgutes der Deutschen aus den Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa.

Der Wortlaut der Urkunde: 

Der Bund der Vertriebenen in Bayern und seine in ihm zusammengeschlossenen Landsmannschaften vergeben im Rahmen ihres durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration geförderten Kulturpreis 2016 eine Ehrengabe für herausragende Leistungen im Bereich der Pflege und des Erhaltes des Kulturgutes der Deutschen aus den Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa an Radu-Anton Maier, Fürstenfeldbruck.

Der Geehrte gehört zu den unbeugsamen Künstlern Rumäniens, die in der Zeit des Kommunismus diskriminiert wurden. Seine Werke – als „dekadent und klassenfeindlich“ bezeichnet – wurden teilweise zerstört.

1967 verließ der Künstler gedemütigt das Land und konnte sich in der Bundesrepublik Deutschland schließlich frei entfalten.

Nach dem Ende der kommunistischen Unterdrückung verstärkte er die Kontakte in seine Heimat. 1999 wurde er mit der Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Klausenburg ausgezeichnet.

Für sein Eintreten um Freiheit und Menschenrechte sowie für sein künstlerisches Schaffen sprechen wir Dank und Anerkennung aus.

Christian Knauer, BdV-Landesvorsitzender | Marktredwitz, 24. September 2016

 

Radu bleibt weiterhin ein wichtiges Bindeglied für die Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen den Künstlern aus Deutschland und Rumänien, und setzt sich ständig für die Bekanntmachung und Verbreitung rumänischer Kultur in Deutschland ein.

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