Bilden, nicht reden solle der Künstler - das Goethe Wort wird zunehmend ignoriert, obwohl die ihm zugrundeliegende Erkenntnis, dass der bildende Künstler sich einer spezifischen Formen-Sprache bedient, die nicht ohne weiteres in Worte übersetzt werden kann, auch weiterhin gilt. Aus der modernen Kunst jedoch ist die Selbstreflektion und Selbst-Rechtfertigung des Künstlers nicht mehr wegzudenken. In dem Maße, wie sich ein Ende der Avantgarde-Ismen abzeichnet und die Kunstszene sich in eine fast unübersehbar eklektische Vielzahl persönlicher Stile aufspaltet, wächst der Stellenwert solcher theoretischen Stellungnahmen.
Ich male, weil ich malen muss. Weil ich das, was ich mit den (weit gefassten) Mitteln des Bildnerischen ausdrücke, nicht in einer anderen Sprache „sagen" kann. Seit meinem fünften Lebensjahr, als ich zu zeichnen anfing, stehe ich unter diesem Ausdruckszwang, und die gründliche klassische Ausbildung, die ich an der Akademie erhielt, bildete die Voraussetzung dafür, dass ich schon früh daran ging, eine eigene, adäquate bildnerische Sprache zu entwickeln, mit spezifischen Zeichen und Strukturen. Das war gewiss kein bewusster, gesteuerter Vorgang, sondern ein organischer Prozess, den ich erst viel später nachvollziehen konnte.
Ist das, was ich produziere, „moderne" Kunst? Diese Frage würde ich bejahen, wenn es richtig ist, dass Kunst relevante zeittypische Gefühls- und Geisteshaltungen widerspiegelt, metaphorisch verkleidet, symbolisch überhöht. „Bio-Visionen" sind phantastische Vorwegnahmen zukünftig möglicher Entwicklungen, wie man sie ausgehend von gegenwärtigen technischen, politischen und kulturellen Entwicklungen ohne weiteres extrapolieren kann. Es sind „Landschaften danach", nach einer aus heutiger Sicht denkbaren Zerstörung der menschlichen Umwelt, nach einer ökologischen oder atomaren Katastrophe. Diese apokalyptische Ahnung will ich aber nicht zum Anlas nehmen für Plakativ-agitatorische Anklagen gegen wen-auch-immer: das erscheint mir zu simpel, gedanklich wie künstlerisch. Vielmehr will ich versuchen, verbreitete, gerechtfertigte Ängste zu subsumieren und zu sublimieren.
In meinen Darstellungen versuche ich, die Vision eines post-apokalyptischen Kosmos zu entwerfen, worin geologische und vegetale Elemente zu einer neuen phantastischen Einheit verschmelzen werden. Der Mensch, wie ich ihn sehe, wird in der „Welt danach" nicht mehr existieren; man wirft mir vor, meine „Veduten“ seien „Menschenleer“; man vergisst aber, dass der Mensch, kraft seiner Maßlosigkeit und Hybris hat sich selbst aus dem Universum hinauskatapultiert. Von ihm werden dann nur noch die verfallenden und dennoch grandiosen Reste seiner vergangenen Schöpferkraft künden, gleichsam Symbole unserer hellenisch-römischen europäischen Tradition. Zum „Maß aller Dinge" wird der Mensch, so wie ich ihn in einer Serie symbolischer Porträts darzustellen versucht habe, wohl nicht mehr taugen: Sind es doch gerade die selbst- und weltzerstörerischen Propheten und Diktatoren jeglicher Couleur, die katastrophale Entwicklungen in Gang setzen oder sie beschleunigen.
Ich male aber auch, weil ich neugierig bin. Weil ich suchen, forschen muss nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten für das, was ich als zeitgemäße geistige Strömungen rezipiere. Und weil ich unaufhörlich nach neuen, meinen Vorstellungen entsprechenden bildnerischen Methoden und Techniken suchen muss, ein Umstand, der die gelegentliche Vielzahl der Varianten erklärt, die bei meiner „experimentell" zu nennenden Arbeitsweise anfallen. Dieses permanente Suchen und Experimentieren vollzieht sich im selbstgesteckten Rahmen einer Definition der Kunst als Meta-Realität, Meta-Sprache, der Kunst auch als Virtuosität. Mich fasziniert die handwerkliche Ernsthaftigkeit und Meisterschaft solcher Maler, wie Piero della Francesca, Antonello da Messina, William Turner, Caspar David Friedrich, Lionel Feinfinger, Salvador Dali, und ich versuche, mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln und Techniken ein möglichst hohes Niveau professionellen Könnens anzustreben. Dabei ist mir - wie der Münchner Kunstkritiker Erich Pfeiffer-Belli treffend vermerkt hat - sehr wohl bewusst, „dass der Weg das Ziel ist - und das Ziel der Weg".
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Schlüsselwörter: Künstler, Malerei, Grafik, Portrait, Kunstsammlung
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Kunstkritik: Radu Maier şi legendele unei lumi posibile, Pavel Chihaia.
Kunstkritik: Marele absent şi lumina lui lină, Nicolae Florescu.
Monografie: Disziplin, Meditation, Lyrismus. Radu-Anton Maier, Titu Popescu (mit Beiträgen von Cornelius R. Zach, Ionel Jianou, Günter Ott, José Fernandez-Rojo und Erich Pfeiffer-Belli).
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